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Unvergesslicher Abend auf dem Nibelungensteig
Rainer Rudloff verlieh Sagengestalten Stimme und Gesicht

von Gerlinde Scharf

Von Liebe und Lust, Hass und Verrat, von schönen Frauen, unerschrockenen Helden und sagenumwobenen Geschichten war die Rede bei der ersten literarischen Wanderung, die weit zurück in die Vergangenheit führte - und gleichzeitig hochbrisant und aktuell war.
Der Lübecker Sprechkünstler Rainer Rudloff ließ sie alle wieder auferstehen und gab ihnen Gesicht und Stimme: Siegfried und Kriemhild, Gunther und Brünhild, Hagen von Tronje und deren Gefolgschaften - die Nibelungen eben.

Und wo kann man die turbulente Sage um den ungestümen Jüngling mit der Tarnkappe und den übermenschlichen Kräften und dem liebestollen Burgunderkönig besser nachempfinden und sich in die Hauptakteure hinein versetzten als in wilder Natur auf dem Nibelungensteig? Auch wenn dieser nachweislich für die Hauptfiguren fremdes Terrain war.


Bücherei und Mobile hatten die Idee

Ausgedacht haben sich die lebendige, durchaus schweißtreibende - weil recht steile - Literaturwanderung über den Steinbruch, die Luciberghütte bis auf eine Anhöhe das weibliche Team von Stadtbücherei und Theater Mobile.
Und die Damen haben mit der Verpflichtung von Rudloff einen Volltreffer gelandet.
30 Teilnehmer ließen sich bei untergehender Abendsonne von dem mittelhochdeutschen Epos gefangen nehmen, hörten und sahen mit Begeisterung, wie der Vorleser und Darsteller an verschiedenen Stationen den tragischen Helden pralles Leben einflößte.
Der Mann mit den langen Haaren und dem grünen Wams flüsterte, schrie, gestikulierte wild, warb zärtlich um die Geliebte, hüpfte durchs Gras und ließ sich auf den Boden plumpsen. Von trockenem Geschichtsunterricht keine Spur.

Es wurde viel gelacht, geschmunzelt, und immer wieder belohnte die Wandergruppe den vielseitigen Vorleser mit spontanem Beifall.

Wanderung in die Sommersonnwendnacht mit dem
"Nibelungenlied"

am 21. Juni 2013
auf dem Nibelungensteig, Stadt Zwingenberg

martin daske
auf der Aul, Foto: Heike Walther.

auf der Aul, Foto: Heike Walther.auf der Aul
Fotos: Heike Walther, Sprendlingen.

Special Events

Ein Jahr lang getüftelt

Ein Jahr haben die Organisatoren am Ablauf der literarischen Tour gefeilt und getüftelt. Es hat sich gelohnt.

Die Premiere war ebenso spannend wie bezaubernd und noch aufregend obendrein. Jedes Detail stimmte bis aufs kleinste i-Tüpfelchen.
Eine märchenhafte, beinahe unwirkliche Atmosphäre legte sich nach und nach wie ein durchsichtiger Schleier über das Geschehen. Aufgeregtes Vogelgezwitscher begleitete die sich zuspitzende Szenerie.

Bevor es bei den Nibelungen aber richtig zur Sache ging, stimmte Rainer Rudloff die Gruppe an der Aul, dem ältesten Gebäude der Stadt, mit einem süßen Minnelied von Walther von der Vogelweide auf die nachfolgende - "sagenhafte" - Szenerie um Siegfried, den unerschrockenen Drachentöter, ein.
Gleichzeitig erteilte er all denjenigen, die ihr Schulwissen über das Nibelungenlied nicht mehr ad hoc abrufbereit hatten, ein wenig Nachhilfeunterricht.

Taschenlampen und Final-Trunk

Um das Jahr 1204 herum wurde es aufgeschrieben und basiert auf der historisch belegten Zerschlagung des Burgunderreiches 436 nach Christus und der germanischen Fürstenhochzeit im Jahr 453 nach Christus zwischen dem Hunnenkönig Attila (Etzel) mit Ildiko. Alle anderen Episoden, so der literarische Wanderführer, sind nicht belegt, genau so wenig wie der Ort der Quelle der Ermordung Siegfrieds durch Hagen.
Beginnend mit der Werbung Hagens um die isländische Königin Brünhild spann Rainer Rudloff den roten Faden der Nibelungen weiter zum doppelten Betrug an der frisch Verheirateten Schönen, dem Streit der beiden Königinnen bis zum Verrat und der Ermordung Siegfrieds.
Inzwischen war es dunkel geworden. Die Teilnehmer knipsten ihre Taschenlampen an und prosteten sich zum Finale an der Luciberghütte mit einem schmackhaften Nibelungentrunk zu.
Es war ein unvergesslicher Abend, darüber waren sich alle - inklusive der zufriedenen Organisatorinnen - einig.


© Bergsträßer Anzeiger, 26.06.2013

auf der Aul, Foto: Heike Walther.
Streit der Königinnen, Foto: Heike Walther.

Streit der Königinnen, Foto: Heike Walther.Der Streit zwischen Brunhild und Kriemhild um die Königinnen-Ehre im letzten Sonnenlicht im Weinberg.
Fotos: Heike Walther, Sprendlingen.

Streit der Königinnen, Foto: Heike Walther.